EISEN- UND GRAPHITBERGBAU VOITSAU

Bezirk Zwettl, Niederösterreich

Andreas Thinschmidt

Textauszug einer Stationstafel des Geologisch-Lagerstättenkundlichen Lehrpfades der Marktgemeinde Kottes

Die frühesten belegbaren Hinweise auf bergmännische Tätigkeiten im Bereich von Voitsau stammen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. So unternimmt ein gewisser Rudolf von Alstern um das Jahr 1850 erste Nachgrabungen auf Graphit, stellt diese jedoch bald wieder ein. Über weiter zurückliegende Abbauversuche ist zwar nichts bekannt, doch darf man solche getrost vermuten, da ein derartig oberflächennahes Vorkommen sicher schon frühzeitig bemerkt worden ist.

Anfang der 50er-Jahre entdeckte Carl Barth aus Zwettl zwischen Voitsau und Dankholz Brauneisensteinvorkommen und faßte den Plan, diese Vorkommen, sowie jene zwischen Arzwiesen und Kalkgrub auszubeuten und an Ort und Stelle zu verhütten. Zu diesem Zweck gründete er zusammen mit Wilhelm Reuss aus Zilling, einem Fachmann aus dem Harz, 1854 eine Gesellschaft, die "Gewerkschaft Rudolfsthal für Bergbau- und Hüttenbetrieb" mit Sitz in Marbach an der Kleinen Krems. Im selben Jahr wurde ihnen auch die Berechtigung zum Abbau der Erze unter der Bezeichnung Wilhelm-Revier mit vier Grubenmaßen verliehen. Im Zuge eines Stollenvortriebs im Schiefergneis trafen sie darin eingebettete Graphitschiefer an, die ebenfalls abgebaut und beim 1855 erbauten Hochofen in Marbach weiterverarbeitet wurden. Der Abbau der Eisenerze wurde jedoch schon im Jahre 1858 wieder eingestellt, da deren Qualität nicht den Erwartungen entsprach.

1871 suchte die Rudolfsthaler Eisengewerkschaft erneut um eine Abbaugenehmigung an, diesmal um ausschließlich Graphit zu gewinnen. Sie wurde in Form zweier Grubenmaße gewährt (Carl-Grubenfeld). 1879 - die Gesellschaft ist nun im Besitz eines Konsortiums Wiener Industrieller - wird das bestehende Grubenfeld im Südwesten um zwei weitere Grubenmaße ausgedehnt. Die Abbaugenehmigung wurde 1907 wieder gelöscht. Der verstürzte, ehemals 35 m tiefe Schacht, der die bis zu 10 Meter mächtige Graphitlinse aufschloß, ist heute noch als Bodensenke im Gelände erkennbar. Das Rohmaterial wurde zusammen mit Material aus Marbach in der Eisenhütte Rudolfsthal geschlämmt, in Form von Granaten gepreßt und so versandt.

Im Jahre 1920 wurde der Wachauer Eisenerzbergbau-GesmbH in Spitz an der Donau ein Tagmaß von 0,85 ha Grundfläche zum Abbau graphithältiger Halden verliehen. Nach einem offenbar mehrmaligen Besitzerwechsel wurde das Tagmaß 1954 gelöscht, ohne daß in diesem Zeitraum eine Gewinnung von Graphit stattgefunden hätte.

Neue Verwendungsmöglichkeiten des Graphites in der Stahlindustrie führten 1960 zu einer Neuuntersuchung des Vorkommens durch die Firma Tongrube Klein-Rust, Pryssok & Co., die dabei den alten Schacht der Rudolfsthaler Eisengewerkschaft antraf und eine alte Halde abbaute. Offenbar litt der Abbau unter großen Schwierigkeiten mit den Wasserverhältnissen, es soll nach Aussagen der Bevölkerung sogar das Pochwerk eingesunken sein. Der Betrieb wurde daraufhin bald wieder eingestellt.

Obwohl seitdem erst an die 30 Jahre vergangen sind, finden sich im Gelände nur noch wenige Spuren des ehemaligen Abbaues: einige schwarz verfärbte Stellen, eine Schachtpinge, Reste von Halden und Anhäufungen von sehr feinkörnigem Graphit im Wäldchen östlich von hier, die auf ein Pochwerk zur Materialzerkleinerung und ein Schlämmwerk zur Graphitanreicherung hindeuten.

Auf der geologischen Karte dieser Region sind die abbauwürdigen graphitführenden Gesteine als schwarze Flecken eingezeichnet. Sie ziehen sich von hier in nordöstlicher Richtung mit Unterbrechungen bis Dankholz hin und sind durch die dunkle Färbung der Ackerböden leicht im Gelände zu verfolgen. Die heute nicht mehr zugänglichen Stollen lagen zum Teil so nahe der Oberfläche, daß in der näheren Umgebung der Boden bei Feldarbeiten immer wieder einbrach.


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© Andreas Thinschmidt Stand: 24.4.2000