DIE MARMORINDUSTRIE IM RAUM KOTTES

Bezirk Zwettl, Niederösterreich

Andreas Thinschmidt

Textauszug einer Stationstafel des Geologisch-Lagerstättenkundlichen Lehrpfades der Marktgemeinde Kottes

Die Marmorindustrie des Waldviertels scheint ihren Ausgang schon recht früh im Tal des Spitzer Baches genommen zu haben, wo der Marmor an den steilen Flanken relativ leicht zu gewinnen war. Zahlreiche alte, verstürzte und verwachsene Steinbrüche zeugen davon. Der Abtransport der Blöcke erfolgte längs des Baches nach Spitz zur Donau, von wo er auf dem Wasserweg weitergeführt wurde. Für die uns kurz erscheinende Strecke, die wir heute mit dem Auto in wenigen Minuten zurücklegen können, benötigte man damals für große Blöcke wahrscheinlich mehrere Wochen. Die Wege waren leidlich schlecht und der Transport mit Karren und durch Weiterrollen auf Holzwalzen ging nur sehr langsam voran. Daher wird man schon frühzeitig versucht haben, Gewicht und Größe zu reduzieren, indem man bereits am Gewinnungsort Halb- und Fertigprodukte herstellte.

Der erste richtige Aufschwung war um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt der Gewinnung verlagerte sich im Laufe der Zeit auf die Hochfläche nördlich von Spitz, in die Umgebung der Orte Elsenreith, Kottes, Marbach und Els, wo heute noch einige Vorkommen abgebaut werden.

Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts wurde für den Ferntransport der billige Donauweg genutzt, zunehmend auch die Franz-Josephsbahn. Der Export brachte den beliebten Stein in viele umliegende Staaten, die Familie Pfitzner in Kottes war hier sozusagen der "Marktleader". Doch die moderne Welt wurde kleiner, Modeerscheinungen und der trotz langer Transportwege und -zeiten konkurrenzfähigere Stein aus Skandinavien, Russland, Brasilien und Afrika verdrängte weitestgehend den heimischen Stein. Erst in letzter Zeit, klug geworden an Schäden in der Steinmetzindustrie (durch falsche Gesteinswahl und billigeren, jedoch lang nicht so wetter-beständigen Kunststein), besinnt man sich wieder auf die Naturschätze vor der eigenen Haustür.

Jedoch nicht alle Marmorvorkommen sind mit Gewinn ausbeutbar, es gibt sehr wohl je nach Zusammensetzung qualitative Unterschiede. Minderwertige kalkhältige Gneise und Glimmerschiefer sind unbrauchbar und bilden störende Partien.

Relativ reine, silikatarme Marmore dienten bis in unser Jahrhundert zur Herstellung von Weißkalk mittels Brennen. Zu diesem Zwecke errichteten die Bauern dieser Gegend zahlreiche, heute verfallene Kalkmeiler, von denen im Gemeindegebiet mindestens 10 bekannt sind. Die härteren silikatreichen oder dolomitischen Abarten wurden mehr für den Straßenbau (Schottererzeugung, Asphalt- und Betonzusätze) genutzt.

Der typische Marmor, der wegen seiner Härte und Widerstandsfähigkeit auch als "Granitmarmor" bezeichnet wird, zeichnet sich durch seine hellgraue bis dunkelgraue, ja oft tiefschwarze bis blauschwarze Färbung aus, die von der Graphitbeimengung herrührt. Die ungleichmäßige Einlagerung des Graphites führt je nach Schnittlage zu gebänderten, gestreiften oder holzähnlichen Maserungen, bzw. zu einer eher wolkigen oder einheitlichen Farbverteilung.

Die Anwendungsbeispiele sind vielfältig, so können hier nur die wichtigsten angeführt werden: Denkmäler, Grabsteine, Mauerquader, Fahrbahneinfassungen, Tür- und Fenstergewände, Stufen, Radabweiser, Kilometersteine, Bodenbelagsplatten, Pflastersteine. Für Skulpturen wurde allerdings nur wenig verwendet. Beispiele dafür bieten sich dem aufmerksamen Beobachter auf Schritt und Tritt in den umliegenden Orten.


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© Andreas Thinschmidt Stand: 24.4.2000