Der erste richtige Aufschwung war um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt der Gewinnung verlagerte sich im Laufe der Zeit auf die Hochfläche nördlich von Spitz, in die Umgebung der Orte Elsenreith, Kottes, Marbach und Els, wo heute noch einige Vorkommen abgebaut werden.
Bis zur Mitte unseres Jahrhunderts wurde für den Ferntransport der billige Donauweg genutzt, zunehmend auch die Franz-Josephsbahn. Der Export brachte den beliebten Stein in viele umliegende Staaten, die Familie Pfitzner in Kottes war hier sozusagen der "Marktleader". Doch die moderne Welt wurde kleiner, Modeerscheinungen und der trotz langer Transportwege und -zeiten konkurrenzfähigere Stein aus Skandinavien, Russland, Brasilien und Afrika verdrängte weitestgehend den heimischen Stein. Erst in letzter Zeit, klug geworden an Schäden in der Steinmetzindustrie (durch falsche Gesteinswahl und billigeren, jedoch lang nicht so wetter-beständigen Kunststein), besinnt man sich wieder auf die Naturschätze vor der eigenen Haustür.
Jedoch nicht alle Marmorvorkommen sind mit Gewinn ausbeutbar, es gibt sehr wohl je nach Zusammensetzung qualitative Unterschiede. Minderwertige kalkhältige Gneise und Glimmerschiefer sind unbrauchbar und bilden störende Partien.
Relativ reine, silikatarme Marmore dienten bis in unser Jahrhundert zur Herstellung von Weißkalk mittels Brennen. Zu diesem Zwecke errichteten die Bauern dieser Gegend zahlreiche, heute verfallene Kalkmeiler, von denen im Gemeindegebiet mindestens 10 bekannt sind. Die härteren silikatreichen oder dolomitischen Abarten wurden mehr für den Straßenbau (Schottererzeugung, Asphalt- und Betonzusätze) genutzt.
Der typische Marmor, der wegen seiner Härte und Widerstandsfähigkeit auch als "Granitmarmor" bezeichnet wird, zeichnet sich durch seine hellgraue bis dunkelgraue, ja oft tiefschwarze bis blauschwarze Färbung aus, die von der Graphitbeimengung herrührt. Die ungleichmäßige Einlagerung des Graphites führt je nach Schnittlage zu gebänderten, gestreiften oder holzähnlichen Maserungen, bzw. zu einer eher wolkigen oder einheitlichen Farbverteilung.
Die Anwendungsbeispiele sind vielfältig, so können hier nur die wichtigsten angeführt werden: Denkmäler, Grabsteine, Mauerquader, Fahrbahneinfassungen, Tür- und Fenstergewände, Stufen, Radabweiser, Kilometersteine, Bodenbelagsplatten, Pflastersteine. Für Skulpturen wurde allerdings nur wenig verwendet. Beispiele dafür bieten sich dem aufmerksamen Beobachter auf Schritt und Tritt in den umliegenden Orten.
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| © Andreas Thinschmidt | Stand: 24.4.2000 |