Bis vor kurzem nahm man an, daß die graphithältigen Gesteine aus Meeresablagerungen entstanden seien, die in sauerstoffarmen Meeresbecken gebildet wurden (sogenannte Faulschlämme oder Sapropele). Funde von Gefäßpflanzenresten auf tschechischem Gebiet haben aber gezeigt, daß ein sehr seichtes, zeitweise verlandendes Ablagerungsgebiet mit Pflanzenbewuchs als Grundlage einer späteren Kohlenbildung vorlag. Die Anteile an organischen Materialien wurden durch hohen Druck und Temperatur während der kaledonischen Gebirgsbildung vor über 450 Mio. Jahren zu Graphit umgewandelt. Das häufige Auftreten von Pyrit (Schwefelkies) ist auf Fäulnisprozesse zurückzuführen, die unter Luftabschluß stattfanden.
Graphithältige Gesteine sind oberflächlich leicht an der tief-grauschwarzen Bodenverfärbung erkennbar. Das wußten natürlich auch schon unsere frühen Vorfahren, als sie sich mit Graphitklumpen schminkten. Man fand diese mit charakteristischen Abnützungsspuren bei Ausgrabungen in steinzeitlichen Siedlungen.
Natürliche Austritte von nutzbaren Gesteinen und Mineralen, vom Bergmann "Ausbisse" genannt, wurden im frühen Hochmittelalter (ausgehendes 9. Jahrhundert) erstmals gezielt gesucht und ausgebeutet. Der Graphit wurde, in Ton gemengt, zur Herstellung von graphitierter, und dadurch wasserdichter Keramik verwendet, die bis etwa zur Mitte des 12. Jahrhunderts für diesen Raum kennzeichnend war. Sowohl der Rohstoff als auch die Graphittonkeramik wurden in groß angelegten und gut organisierten Vertriebsnetzen gehandelt, wobei man sich vor allem der Wasserwege bediente.
Der bergmännische Abbau erfolgte lange Zeit hindurch nur mit einfachsten Geräten wie Eisen und Schlägel, später wurde auch Schießpulver benutzt. Zur Zeit der Reformationskriege des 16. Jahrhundert ging der einst blühende Bergbau zugrunde und geriet schließlich in Vergessenheit.
Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im Waldviertel zahlreiche Kleinstbetriebe, die Graphit für die Schwarzhafnerei gewannen. Das graphithältige Gestein wurde zuerst mittels einfacher wasserbetriebener Pochwerke, später in Steinbrechern und Kollergängen zermahlen und mittels Wasser zu den Sandkästen geleitet, wo sich aus der Trübe Sand und unzerkleinerter Graphit absetzten. In den nachfolgenden geräumigen Absatzkästen und Klärbassins konnte sich dann feiner Graphitschlamm abscheiden, der nach erfolgter Trocknung schließlich in Fässer gestampft oder zu Granaten gepreßt wurde.
Für andere Anwendungsbereiche des Graphites, wie zur Herstellung von feuerfesten Tiegeln, Elektroden, Schmiermitteln, Anstrichfarben und Bleistiften erwiesen sich die qualitativ schlechten Graphite des Waldviertels letztlich als zu schwierig aufzubereiten und so wurden bis nach dem zweiten Weltkrieg alle Abbaue bis auf Mühldorf/Amstall, eingestellt.
Die Einführung eines neuen Verfahrens zur Eisenverhüttung im Jahre 1959, die Graphit als Zusatz im Hochofen ermöglichte, brachte noch einmal einen Aufschwung. Österreich war in den sechziger Jahren durch hohe Förderzahlen für einige Jahre sogar an die zweite Stelle der Weltproduktion gerückt. Die anhaltende Krise in der Stahlindustrie während der beiden letzten Jahrzehnte, die Entdeckung großer Lagerstätten in Billiglohnländern und die Möglichkeit der künstlichen Graphiterzeugung führten jedoch erneut zum Niedergang dieses, für das Waldviertel ehemals so wichtigen, Industriezweiges.
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| © Andreas Thinschmidt | Stand: 24.4.2000 |